Ein Vater zog mit seinem Sohn und einem Esel in der Mittagshitze durch die staubigen Gassen von Keshan.

Der Sohn führte und der Vater sass auf dem Esel.

„Der arme kleine Junge“, sagte ein vorbeigehender Mann. „Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo des Esels Schritt zu halten. Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen, wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft.”
Der Vater nahm sich dies zu Herzen, stieg hinter der nächsten Ecke ab und liess den Jungen aufsitzen.
Es dauerte nicht lange, da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme: „So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel wie ein König auf dem Esel, während sein armer, alter Vater nebenherläuft.”
Dies tat dem Jungen leid und er bat seinen Vater, sich mit ihm auf den Esel zu setzen.
„Ja, gibt es sowas?” sagte eine alte Frau, „So eine Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch, und der junge und der alte Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus. Der arme Esel!”
Vater und Sohn sahen sich an und stiegen beide vom Esel herunter und gingen neben dem Esel her.
Dann begegnete ihnen ein Mann, der sich über sie lustig machte: „Wie kann man bloss so dumm sein. Wofür hat man einen Esel, wenn er einen nicht tragen kann?“
Der Vater gab dem Esel zu trinken und legte dann die Hand auf die Schulter seines Sohnes.

„Egal, was wir machen”, sagte er, „es gibt immer jemanden, der damit nicht einverstanden ist. Ab jetzt tun wir das, was wir selber für richtig halten!“ Der Sohn nickte zustimmend.

Ja, so kann es uns gehen, wenn wir versuchen, es allen Recht zu machen.

 

One Response to Der Esel, der Vater und der Sohn – Eine Kurzgeschichte

  1. Stephan sagt:

    Allen Leuten Recht getan ist ein Ding der Unmöglichkeit. Also tun wir das, was wir selber für richtig halten.

    Natürlich können wir uns dazu entscheiden, nur dies zu tun was für uns persönlich stimmt. Doch tun wir dies auch wirklich? Lassen wir uns nicht von der momentanen mehrheitlichen Stimmung der Anderen beeinflussen. Ist es nicht einfacher mit dem Strom statt dageben zu schwimmen?

    Gerne heben wir unsere Eigenständigkeit hervor, unsere Charakterstärke. Doch wo ist dann diese Charakterstärke, wenn es mal gilt unbequeme Entscheidungen zu treffen? Sei es in der Arbeitswelt, der Politik oder unserem ganz persönlichen privaten Umfeld.

    Sind es dann nicht Abhängigkeiten, Ängste die uns dazu verleiten, unsere Standfestigkeit ein wenig dem Druck der Umwelt entsprechend zurecht zu biegen?

    Ist dies verwerflich? Ist dies eine ganz normale Art unserer Anpassungsfähigkeit?

    Die Antwort dazu muss jeder selber finden. Also tun wir das, was wir selber für richtig halten.

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